Clubbing & Nachtleben

Raves am Starnberger See: So entstehen die Open-Airs

Eigentlich willst du nur tanzen. Du kommst am späten Nachmittag am Forsthaus Mühlthal an, der Shuttle hat dich vom Bahnhof Starnberg Nord in knapp fünf Minuten hochgebracht.

Raves am Starnberger See: So entstehen die Open-Airs

Der Einlass läuft ruhig, drinnen wummert der Bass aus dem Keller, oben auf der Dachterrasse geht die Sonne unter. Es fühlt sich leicht an, nach Wochenende, nach Freiheit. Und genau diese Leichtigkeit ist das Ergebnis monatelanger Planung, die du als Gast nie siehst: Behördengänge, Lärmgutachten, Ordnerkonzepte, Shuttle-Tabellen und Gestattungen. Was am Ende ein Samstagabend am See ist, beginnt für Veranstalter oft ein knappes Jahr vorher — und genau darüber lohnt es sich, einmal ganz genau hinzuschauen.

Wo der Bass eine Adresse braucht: Locations im Fünfseenland

Wenn du in Oberbayern ein Open-Air planst, ist die erste Frage nicht die Musik, sondern der Boden. Am Starnberger See gibt es Locations, die dafür gebaut sind, und andere, die es trotzdem werden. Das Forsthaus Mühlthal (Mühlthal 124) ist mit über 1.000 Quadratmetern Fläche eine der größeren Eventlocations im Münchner Westen und beherbergt den Club U-124 mit drei Floors: einem Keller für den härteren Techno-Teil, einer Außenbühne für warme Sonnenuntergangs-Sets und einer Dachterrasse, die genau das ist, was ihr Name verspricht — ein Rückzugsort mit Aussicht über die Wipfel. Diese Drei-Floor-Struktur ist keine Spielerei, sondern Logistik. Du kannst die Besucherströme verteilen, Innen- und Außenbereich parallel bespielen und damit Wartezeiten sowie Gedränge an einzelnen Stellen reduzieren.

Was das Forsthaus darüber hinaus interessant macht, ist seine Lage. Abseits der direkten Wohnbebauung, eingebettet in den Forstenrieder Park, bietet der Standort einen natürlichen Puffer, den du in einem reinen Wohnviertel nie hättest. Das bedeutet nicht, dass du Lärm machen kannst, wie du willst — aber es bedeutet, dass die Schallausbreitung andere Voraussetzungen hat als mitten in der Siedlung. Wald, Geländeform, Entfernung zu den nächsten Wohnhäusern und die Ausrichtung der Lautsprecher spielen zusammen. Wer als Veranstalter einmal mit einem Akustikgutachter durch so ein Gelände gegangen ist, versteht, warum die Standortwahl die wichtigste Entscheidung des gesamten Projekts ist.

Denn eine Fläche ist nicht automatisch eine gute Veranstaltungsfläche, nur weil dort eine Bühne Platz findet. Wo stehen die Generatoren? Wie kommen Lieferwagen und Rettungsfahrzeuge aneinander vorbei? Gibt es befestigte Wege, wenn es regnet? Wo lassen sich Toiletten aufstellen, ohne dass sie direkt an der Tanzfläche oder am Nachbargrundstück stehen? Und was passiert, wenn gleichzeitig hundert Menschen zum Eingang und hundert andere zum Shuttle wollen? Solche Fragen wirken auf dem Lageplan klein. Am Veranstaltungstag werden sie schnell zum Hauptprogramm.

Eine andere Option ist das Steg 1 in Possenhofen (Kurt-Stieler-Straße 58), das direkt am Seeufer seine Open-Airs aufzieht. Die Veranstaltungen dort laufen oft in einem kompakten Zeitfenster — häufig am späten Nachmittag bis in den Abend — und nutzen die besondere Stimmung eines Sonnenuntergangs über dem Wasser. Gerade für kleinere bis mittelgroße Veranstaltungen mit elektronischer Musik ist so eine Location ein Geschenk: Die Natur liefert das Bühnenbild mit, du musst nur die Technik sicher hinstellen und den Anrainern erklären, warum sie bis in den Abend hinein Techno hören dürfen.

Die Lage am Wasser bringt allerdings ihre eigene Empfindlichkeit mit. Uferbereiche sind keine leere Projektionsfläche für Veranstaltungsästhetik. Sie werden von Spaziergängern, Anwohnern, Ausflüglern und manchmal auch von Schutzinteressen überlagert. Ein Veranstalter muss deshalb nicht nur die Tanzfläche denken, sondern den gesamten Raum: Wege, Sichtachsen, sensible Bereiche, Abfall, Beleuchtung und den Rückbau. Je schöner die Umgebung, desto schneller fällt auf, wenn nach dem letzten Set etwas liegen bleibt.

Und genau da wird es ernst. Denn bevor auf irgendeinem Floor der erste Drop kommt, haben Veranstalter im Landkreis Starnberg eine ganze Behördenkette durchlaufen.

Ein Open-Air am See ist zu neunzig Prozent Verwaltung. Die Musik ist nur der lauteste Teil.

Sicherheit ist kein Accessoire: Wenn die Versammlungsstättenverordnung greift

Sobald dein Event öffentlich ist und du mit ab 200 Besucherinnen und Besuchern planst, greift im Landkreis Starnberg die Versammlungsstättenverordnung (VStättV). Das heißt: Fluchtwege müssen ausgewiesen sein, die zulässige Personenzahl muss zur Fläche und zur Nutzung passen, die sanitären Anlagen müssen dimensioniert sein, und es braucht ein Brandschutzkonzept. Klingt trocken, ist aber der Grund, warum du auf einem gut organisierten Rave nicht in einer Massenpanik landest — und warum eine improvisierte Gartenparty ab einer bestimmten Größe plötzlich zur ernsten Sicherheitsfrage wird.

Die Zahl allein ist dabei nicht der ganze Inhalt der Prüfung. Entscheidend ist, wie die Fläche genutzt wird. Eine dicht belegte Tanzfläche, eine Bühne mit Technik, ein Ausschank, dunkle Wege und ein Außenbereich mit mehreren Zugängen stellen andere Anforderungen als eine lose bestuhlte Veranstaltung. Auch die Frage, ob sich Menschen im Notfall schnell orientieren können, gehört in die Planung. Ein Ausgang, den nur das Team kennt, ist kein gutes Sicherheitskonzept. Ein Fluchtweg, der im Alltag als Lagerfläche dient, ist überhaupt kein Fluchtweg.

Eine konkrete Zahl hilft trotzdem, das Prinzip zu greifen: In Starnberg wird in der Regel mindestens eine Ordnungskraft pro 100 Besucher angeordnet, mit einer Mindestanzahl von fünf Ordnerinnen und Ordnern — auch wenn du „nur“ 300 Leute erwartest. Das ist keine Schikane, sondern ein Erfahrungswert: Vier Ordner reichen schlicht nicht, um Eingang, Sanitätsstation, Notausgänge und Fluchtwege gleichzeitig im Blick zu behalten. Außerdem müssen die Einsatzkräfte nicht nur am Einlass stehen. Sie brauchen klare Zuständigkeiten, Kommunikationswege und einen Überblick darüber, wer im Notfall welche Entscheidung trifft.

Ab einer erwarteten Besucherzahl von 1.000 Personen wird es dann richtig formal: Du musst der zuständigen Behörde ein schriftliches Sicherheitskonzept vorlegen, in dem alle Risiken, Wege und Notfallmaßnahmen dokumentiert sind. Darin geht es nicht um ein schön formatiertes Dokument für den Aktenordner, sondern um eine gemeinsame Arbeitsgrundlage für Veranstalter, Security, Sanitätsdienst, Technik und Behörden. Was passiert bei einem medizinischen Notfall? Wer stoppt die Musik? Wie wird eine Durchsage ausgelöst? Wo sammeln sich Besucherinnen und Besucher, wenn ein Bereich geräumt werden muss?

BesucherzahlWas du konkret einplanen musst
bis 199Veranstaltungsart, Fläche und örtliche Vorgaben klären; die Schwelle der VStättV ist noch nicht erreicht
ab 200 bis 999Anforderungen der VStättV berücksichtigen, Ordnerquote von 1:100 und mindestens fünf Ordner einplanen
ab 1.000schriftliches Sicherheitskonzept mit Risiken, Wegen und Notfallmaßnahmen vorlegen

Was hier nicht in der Tabelle steht, aber dazugehört: ein Sanitätsdienst, der je nach Risikoprofil anwesend oder zumindest in Bereitschaft ist, und ein Müllkonzept, das gerade am See fast wichtiger werden kann als die Lautsprecheranlage. Wer seinen Abfall nicht im Griff hat, riskiert erhebliche Schwierigkeiten bei der nächsten Genehmigung — denn die zuständigen Gemeinden merken sich, welche Veranstalter ihre Flächen sauber hinterlassen und welche nicht.

Gerade im Landkreis Starnberg, wo Naturschutz und Erholungsnutzung ohnehin sensible Themen sind, kann ein verwildertes Gelände nach einem Event schnell zum Ausschlusskriterium werden. Erfahrene Veranstalter wissen das und investieren in professionelle Reinigungstrupps, die am Veranstaltungstag selbst beginnen — nicht erst am Montagmorgen. Dazu gehört auch, die Wege rund um die Location abzugehen, verlorene Flaschen einzusammeln und zu kontrollieren, ob Besucher durch angrenzende Flächen gelaufen sind. Sicherheit endet nicht am Bauzaun.

Vom Antrag bis zum Lärmgutachten: Der Weg durch die Behörden

Wenn du als Veranstalter in Bayern ein Open-Air auf die Beine stellen willst, ist die Reihenfolge der Behördenschritte ungefähr diese: zuerst die Standortfrage und der Pachtvertrag mit der Location, dann die Anfrage bei der Gemeinde, parallel das Sicherheitskonzept, anschließend die gaststättenrechtliche Gestattung und zuletzt — oft erst wenige Wochen vor dem Event — die finale Abstimmung. Klingt linear, fühlt sich in der Praxis aber eher wie ein Hindernislauf an, bei dem du nicht immer weißt, welche Hürde als Nächstes kommt.

Der erste Fehler vieler Veranstalter besteht darin, die Behörde erst dann einzubeziehen, wenn Künstler gebucht, Tickets verkauft und Social-Media-Kampagnen gestartet sind. So herum wird aus einer offenen Standortprüfung schnell eine Rettungsaktion. Besser ist es, früh zu klären, welche Nutzung an diesem Ort überhaupt vorstellbar ist, welche Unterlagen verlangt werden und welche Stellen beteiligt sind. Gemeinde, Bauamt, Straßenverkehrsbehörde, Polizei, Feuerwehr und gegebenenfalls weitere Fachstellen schauen auf unterschiedliche Teile desselben Abends. Eine Genehmigung ersetzt nicht automatisch die nächste.

Eine konkrete Hürde ist der Alkoholausschank. Hast du keine eigene Gaststättenkonzession — und die haben die wenigsten Veranstalter dauerhaft —, musst du für jedes Event eine Gestattung nach § 12 Gaststättengesetz (GastG) beantragen. Das ist üblich, kein Drama, muss aber rechtzeitig passieren. Wer das erst zwei Wochen vorher macht, riskiert ein Verbot in letzter Sekunde und damit nicht nur entgangene Einnahmen, sondern auch einen Imageschaden bei den Künstlerinnen und Künstlern, die längst gebucht sind.

Mindestens vier Wochen Vorlauf solltest du auch für alles einplanen, was mit Verkehr zu tun hat. Möchtest du eine Straße sperren, Umleitungen einrichten oder den öffentlichen Nahverkehr mit Sonderfahrten ergänzen, ist die zuständige Straßenverkehrsbehörde dein erster Ansprechpartner — und die braucht Zeit. Erfahrungsgemäß gilt: Lieber sechs Wochen vorher anfragen und sich die Bestätigung geben lassen, als auf den letzten Drücker zu merken, dass die zuständige Sachbearbeitung nicht erreichbar ist. Ja, genau das passiert häufiger, als du denkst.

Eine besondere Rolle am Starnberger See spielt der Lärmschutz. Der See ist Wohngebiet, Erholungsgebiet und Naturschutzraum in einem. Konkret heißt das: In den Anrainerstraßen wird nicht nur über Lärm gesprochen, dort kann auch gemessen, bewertet und protokolliert werden. Die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) legt für Mischgebiete Nachtpegel von 45 dB(A) fest, für reine Wohngebiete sogar 35 dB(A) — Werte, die mit einer ordentlichen Beschallungsanlage auf einer Freifläche schnell erreicht sind, besonders wenn tiefe Frequenzen über den Boden und bauliche Strukturen in angrenzende Häuser gelangen.

Deshalb arbeiten seriöse Veranstalter nicht nur mit Richtmikrofonen und Pegelbegrenzern, sondern auch mit einer Beschallungsrichtung, die den Schall möglichst vom nächsten Wohngebiet wegträgt. Die Lautsprecherposition, die Höhe der Bühne, die Bassverteilung und die Betriebszeiten müssen zusammengedacht werden. Ein Limiter allein löst kein Standortproblem. Und ein Lärmgutachten ist keine Garantie dafür, dass am Veranstaltungstag unter allen Bedingungen derselbe Pegel ankommt. Wind, Temperatur und Gelände können die Wahrnehmung verändern.

Wenn die Beschallung die maßgeblichen Vorgaben überschreitet oder Auflagen nicht eingehalten werden, kann die Polizei dein Event im äußersten Fall auflösen — auch mitten im Set. Genau das ist am 2. September 2023 beim „Deep in Forest – Season Closing“ im Forsthaus Mühlthal passiert. Die Polizei löste das Festival gegen Mitternacht auf; als Begründung wurden mutmaßliche Verstöße gegen Lärmschutzauflagen und die genehmigte Laufzeit genannt. Die Veranstalter widersprachen dieser Darstellung später und betonten, sich an alle Vorgaben gehalten zu haben.

Was bleibt, ist ein Lehrstück über die Realität am See: Es reicht nicht, sich an Regeln zu halten — du musst es im Zweifel auch beweisen können. Das bedeutet im Klartext: eigene Messprotokolle führen, die Kommunikation mit Behörden dokumentieren, das Polizeiprotokoll genau lesen und im Zweifel einen Anwalt für Versammlungsrecht einschalten. Klangpegel sind keine Meinungsfrage, aber die Frage, ob ein bestimmter Wert tatsächlich überschritten wurde, sehr wohl. Wer seine Daten nicht sauber festhält, überlässt die Deutung des Abends anderen.

Wer ein Open-Air veranstaltet, ist vier Wochen vorher sichtbar in der Verwaltung und für alle anderen unsichtbar.

Anreise mit System: Wie die Crowd zum Floor kommt

Das Starnberger Umland ist nicht München. Es gibt keine U-Bahn, die dich um Mitternacht nach Hause bringt, und bei der S-Bahn lässt sich die Verbindungssituation nicht pauschal mit einem einzigen Takt beschreiben. Am Bahnhof Starnberg Nord verkehren die Züge je nach Tageszeit und aktuellem Fahrplan unterschiedlich häufig. Für Veranstalter heißt das: Nicht mit einer vermeintlich immer gleichen Wochenendfrequenz rechnen, sondern den gültigen Fahrplan für den konkreten Veranstaltungstag prüfen und die An- und Abreise darauf abstimmen.

Wer also plant, am späten Nachmittag mit mehreren hundert oder gar vierstelliger Besucherzahl zum Forsthaus Mühlthal zu kommen, steht vor einem echten logistischen Problem. Ohne Konzept gibt das Stau, Parksuchverkehr, genervte Anwohner und im schlimmsten Fall blockierte Rettungswege. Ein durchdachtes Verkehrskonzept gehört deshalb in jede Bewerbungsmappe, und es beginnt nicht am Veranstaltungstag, sondern auf dem Papier.

Die Lösung, die sich rund um das Forsthaus bewährt hat, ist der bereits erwähnte Shuttlebus. Er fährt vom Bahnhof Starnberg Nord zur Location, kostet drei Euro für Hin- und Rückfahrt und bringt die Gäste in rund fünf Minuten hoch. Für drei Euro bekommst du also nicht nur Bequemlichkeit, du bekommst vor allem ein Argument: weniger Parksuchverkehr, weniger Stress, weniger Konflikte mit den Anwohnern. Du verzichtest als Veranstalter auf einen Teil deines Parkplatz-Komforts, gewinnst aber Akzeptanz und reduzierst die Wahrscheinlichkeit, dass die Polizei anrückt, bevor das erste Set zu Ende ist.

Ein Shuttle ist allerdings nur dann ein Verkehrskonzept, wenn er auch als solches betrieben wird. Dafür braucht es ausreichend Kapazität zu den erwarteten Spitzenzeiten, verständliche Abfahrtsorte und Personal, das den Gästen erklärt, wo sie nach Veranstaltungsende hinmüssen. Anreise und Rückfahrt sind zwei verschiedene Probleme. Vor dem Einlass kommen viele Menschen in kurzer Zeit an; nach dem letzten Set wollen sie gleichzeitig weg. Wer nur die Hinfahrt plant, verschiebt den Engpass auf den Moment, in dem ohnehin alle müde, angetrunken und weniger geduldig sind.

Was viele unterschätzen: Das Verkehrskonzept ist nicht nur eine Gefälligkeit gegenüber der Nachbarschaft. Es ist eine behördliche Voraussetzung. Die Gemeinde und die Straßenverkehrsbehörde prüfen in der Regel, ob die Zufahrten für Rettungsfahrzeuge frei bleiben, ob die Parkflächen ausreichen und ob der An- und Abstrom der Besucherinnen und Besucher organisiert ist. Ein Veranstalter, der das auf die leichte Schulter nimmt, riskiert nicht nur Ärger mit den Anwohnern, sondern auch eine Absage durch die Genehmigungsbehörde — denn nirgendwo wird so schnell klar, ob ein Event durchdacht ist, wie an der Zufahrt.

Zusätzlich bewährt haben sich klar ausgewiesene Park-and-Ride-Flächen, ein Einbahnstraßenkonzept rund um die Location, Lotsenpersonal an neuralgischen Knoten und — gerade bei See-Events — eine enge Abstimmung mit dem öffentlichen Nahverkehr. Die konkrete Verbindungslage muss dabei immer aktuell geprüft werden. Was du vermeiden willst, sind Schilder, die nur Insidern etwas sagen, und Durchsagen, die im Wald verschallen.

VerkehrselementWirkung für das Event
Shuttlebus ab Bahnhofreduziert Parksuchverkehr und wirkt akzeptanzfördernd
Park-and-Ride mit Beschilderungentzerrt den Anreise-Peak am Einlass
Einbahnregelung vor Ortverhindert Rückstaus und blockierte Zufahrten
Lotsenpersonal an Knotenbeschleunigt die Orientierung und hält Rettungswege frei
Abgleich mit dem aktuellen Fahrplanverhindert falsche Versprechen bei An- und Abreise

Diese Liste sieht banal aus. In der Praxis rettet sie dein Event.

Zwischen Moshpit und Mittagsschlaf: Das Spannungsfeld am See

Damit landen wir bei der eigentlichen Frage, die unter jeder behördlichen E-Mail lauert: Darf Clubkultur am Starnberger See überhaupt stattfinden? Die ehrliche Antwort ist: ja, aber nicht um jeden Preis. Die Anwohner rund um die größeren Locations haben ein berechtigtes Interesse an Ruhe, vor allem an Wochenenden und in den Ferien. Wer dort aufwächst oder ein Wochenendhaus hat, will abends nicht zwingend den neuesten Techno-Track seiner Nachbarn miterleben. Genau diese Spannung ist der Grund, warum manche Veranstalter das Forsthaus Mühlthal, manche das Steg 1 in Possenhofen und manche bewusst einen weiter entfernten Standort im Oberland wählen.

Was du aus dieser Spannung machen kannst, ist kein fauler Kompromiss, sondern ein Qualitätsmerkmal. Gute Veranstalter reden früh mit Anwohnern, laden zu Informationsabenden ein, geben ihre Telefonnummer für Beschwerden heraus und reagieren am Veranstaltungstag sofort, wenn etwas schiefläuft. Wer das tut, baut sich über Jahre einen Vertrauensvorschuss auf, der bei der nächsten Genehmigung den Unterschied macht zwischen „wird knapp“ und „wird genehmigt“. Kommunikation ersetzt keine Auflagen. Aber sie verhindert, dass jede Beschwerde automatisch zur Eskalation wird.

Dabei geht es nicht nur um Lärm. Anwohner klagen über zugeparkte Grundstückseinfahrten, über Müll am Wegesrand, über fehlende Beschilderung und darüber, dass Gäste nachts durch ihre Gärten laufen, weil sie den Rückweg zum Shuttle nicht finden. Keines dieser Probleme ist unlösbar — aber jedes davon muss gelöst sein, bevor die erste Bassdrum schlägt. Veranstalter, die das ernst nehmen, organisieren Nachtsicherungstrupps, die das Umfeld der Location absuchen, bevor sie selbst ins Bett gehen. Sie markieren Wege besser, stellen Personal an die Abzweigungen und sorgen dafür, dass Beschwerden nicht irgendwo zwischen Kasse, Technik und Künstlerbetreuung verschwinden.

Auch die Dramaturgie des Abends kann Teil des Anwohnerschutzes sein. Ein früherer Beginn mit Sonnenuntergang, ein klarer Schlusszeitpunkt und ein kontrollierter Abbau sind nicht automatisch ein Verlust an Atmosphäre. Im Gegenteil: Gerade Open-Airs am See leben davon, dass sie nicht wie eine beliebige Nacht im Kellerclub funktionieren. Wer die Umgebung ernst nimmt, kann daraus ein eigenes Format entwickeln — mit Tageslicht, klarerem Zeitfenster und einer Beschallung, die nicht bis in die frühen Morgenstunden getragen werden muss.

Das klingt aufwändig, ist es auch. Aber es ist der Unterschied zwischen einer einmaligen Genehmigung und einer langfristigen Partnerschaft mit der Gemeinde. Genau dieses Vertrauen hat beim oben erwähnten Vorfall 2023 nicht ausgereicht — und es ist die Lehre, die alle Beteiligten aus dem Abend mitnehmen mussten.

Der Starnberger See ist keine Bühne, er ist ein gemeinsamer Raum. Wer das respektiert, darf ihn auch bespielen.

Was du als Gast mitnehmen kannst

Für dich als Gast heißt das: Genieße das, was die Veranstalter dir an Logistik, Sicherheit und Stimmung bieten — und hab Verständnis, wenn die Security dich am Eingang bittet, die Trinkflasche auszuleeren, oder wenn das Konzert eine Viertelstunde früher endet als gewohnt. Das ist kein Bürokratieüberschuss, das ist der Preis dafür, dass du am See tanzen darfst.

Praktisch heißt das: Nutze den Shuttle, wenn er angeboten wird, und prüfe vor der Abfahrt, wo genau er startet und wann die letzte Rückfahrt geplant ist. Verlass dich bei der Anreise nicht auf alte Fahrplanangaben oder auf das, was bei der vergangenen Veranstaltung funktioniert hat. Hör auf die Ordner, auch wenn sie dir gerade den Weg zum nächsten Ausgang zeigen. Beschwere dich höflich, wenn etwas wirklich nicht passt, aber gib dir Mühe, freundlich zu bleiben — am Ende steht vor dir kein anonymer Mitarbeiter, sondern jemand, der seinen Samstagabend opfert, damit deiner gut wird.

Und wenn du jemanden vom Veranstalterteam siehst, der gestresst am Rand steht: Ein ehrliches Danke wirkt Wunder. Vielleicht ist diese Person gerade dabei, einen Rettungsweg freizuhalten, einen Shuttle zu koordinieren oder eine Beschwerde aus der Nachbarschaft zu bearbeiten. Das sieht man von der Tanzfläche aus nicht. Man sieht nur, ob der Abend läuft.

Was bleibt, ist ein ehrliches Bild: Die Raves am Starnberger See sind kein Naturereignis, sie sind gemacht. Sie sind gemacht von Menschen, die ihren Job verstehen, von Locations, die sich dafür eignen, von einer Behördenlandschaft, die nicht immer bequem, aber notwendig ist — und von dir, der tanzt. Die Organisation von Raves am Starnberger See besteht deshalb nicht nur aus Musik, Licht und einem guten Line-up. Sie besteht aus Standortwahl, Sicherheitskonzept, Lärmschutz, Verkehr und dem Willen, mit den Menschen vor Ort im Gespräch zu bleiben.

Wenn alle ihren Teil dazu beitragen, kann das auch in den nächsten Jahren eine der schönsten Ecken für elektronische Musik in Oberbayern bleiben. Nicht trotz der Regeln, sondern weil gute Veranstalter wissen, wie man innerhalb dieser Regeln einen Abend baut, der sich trotzdem frei anfühlt.

Häufige Fragen

Ab welcher Besucherzahl ist ein Sicherheitskonzept für ein Open-Air erforderlich?
Ab einer erwarteten Besucherzahl von 1.000 Personen muss der zuständigen Behörde ein schriftliches Sicherheitskonzept vorgelegt werden.
Wie viele Ordner müssen bei einer Veranstaltung im Landkreis Starnberg eingesetzt werden?
In der Regel wird mindestens eine Ordnungskraft pro 100 Besucher angeordnet, wobei eine Mindestanzahl von fünf Ordnern vorgeschrieben ist.
Warum ist ein Shuttlebus für Veranstaltungen am Starnberger See wichtig?
Der Shuttlebus reduziert den Parksuchverkehr, entlastet die Anwohner und verhindert, dass Rettungswege durch falsch parkende Fahrzeuge blockiert werden.
Welche Rolle spielt die Versammlungsstättenverordnung bei Raves?
Sie greift bei öffentlichen Veranstaltungen ab 200 Besuchern und regelt unter anderem die Ausweisung von Fluchtwegen, die zulässige Personenzahl und Brandschutzkonzepte.
Was passiert, wenn Lärmschutzauflagen bei einem Open-Air nicht eingehalten werden?
Bei Verstößen gegen Lärmschutzauflagen oder die genehmigte Laufzeit kann die Polizei die Veranstaltung im äußersten Fall auflösen.